liebe freunde
ich möchte sie nicht langweilen u. fasse mich kurz. die wichtigste person ist
heute die künstlerin. ihr zu ehren sind wir heute hier. wertschätzung u. sympathie gegenüber Jenny Feldmann veranlassen mich ein paar worte zu sagen. fast jeder redner würde das thema waldsterben dankbar aufgreifen, um einen einstieg zur malerei von Feldmann zu
finden.ich
möchte mich über das waldsterben nicht ergehen, dies geschieht ohnehin permanent durch die medien.
ich möchte über etwas anderes sprechen, nämlich über die form der gezeigten arbeiten. der inhalt in der kunst hat mich nie sonderlich interessiert. die form ist das entscheidende, wie gemalt u.gestaltet wird, ist das wesentliche, nicht nur die thematik. die kunst hat einen eigenen, spezifischen übermittlungswert, den nur kunst bieten kann, hat eine eigene sprache, die aller inhaltlicher belastung überlegen ist u. die ist die form. der inhalt kann bestenfalls bestandteil der form sein.es gibt heute kaum mehr neue richtungen, vielfach wird steril u. epigonal wiedergekäut. entscheidend ist nur die qualität u. intensität der jeweiligen leistung.
Feldmann gehört einer generation an, die das problem abstrakt, informel oder
gegenständlich nicht kennt. diese bilder haben eine spezifische
ausstrahlung und kraft. einflüsse der jüngeren malerei werden wohl aufgenommen, aber wohltuend persönlich u. eigenständig verarbeitet. nichts ist erspekuliert u. unverdaut angenommen. eine
persönliche sensibilität u. lebendige frische kraft unterscheidet ihre produkte von anderen. ein untrügliches farbgefühl war ihr immer schon eigen u. steigert sich zusehends zu einem fast
phosphorisierenden leuchten. der farbauftrag ist sehr sinnlich haptisch, schmeckbar, erlebbar. sie malt, wie wenn malen schon immer ihr ureigenstes ausdrucksmittel gewesen wäre. am meisten beeindrucken mich die waldbilder. ein zusammenstürzen nach innen, ein ekstatisches nach innen fallen, erinnert
mich an chaim soutine. es geht um kosmische veränderungsprozesse, die in die form einfließen, eine katastrophe
großen ausmaßes ist eine komische veränderung. der wald lodert, wird
herausgefordert u. dies von brennenden sonnen. das malende aufzählen der
betroffenen tiergattungen hat etwas naives, überdeutliches, entwaffnendes.
Jenny Feldmann war bei mir lange jahre assistentin, wie auch bei anderen künstlern. ich konnte mit freude beobachten, wie sie im lauf der jahre äußerlich unbeeinflusst von großen vorbildern, ihre eigene subjektive bildsprache entwickelte. da wir künstler auch leben wollen, scheint es mir abgeschmackt darauf hinzuweisen, dass die gezeigten bilder noch sehr preiswert u. billig sind. das wird sicher nicht mehr lange so sein. die leistungen von Feldmann gehören später mit sicherheit zum bestandteil der wiener szene der 90-iger jahre.
hermann nitsch märz/april 1990