Zu Jenny Feldmanns „Massenurnenkunstobjekt“ Adäquates in Worte zu fassen ist eine Herausforderung sondergleichen. Was zunächst bei erster Betrachtung ins Auge sticht, sind die vielen verkleinerten Todesanzeigen, die eines wohl begreifbar machen, dass wir nämlich im Tod alle gleich und dennoch verschieden sind. Da reiht sich etwa ein Obergefreiter in einem Infanterie – Regiment, namens Josef Wurzinger, mit 44 Jahren im Februar 1945 gestorben in Polen an einer Lungenentzündung, an einen Franz Zischek, der bereits mit 21 Jahren sein Leben lassen musste („den Heldentod fand“) und zwar bei Woronesch am 15. August 1942 als Schütze in einem Granatwerferzug eines Infanterie – Regiments. Doch findet sich hier selbst ein im 1. Weltkrieg gefallener Soldat, nämlich der am 15. September 1900 geborene Josef Enzelsberger, gestorben am 27. August 1918 „am italienischen Kriegsschauplatz“, auch ein Wirtschaftsbesitzerssohn Karl Heindl, der am 14. November 1917, nach kurzem Leiden und Empfang der heiligen Sterbesakramente im 13. Lebensjahr selig in dem Herrn entschlafen ist …“ ist hier in der Urne vertreten, glauben wir der Künstlerin. Es dürfte sich aber wohl nur um ein Löffelchen Asche jedes Einzelnen handeln, sonst wäre die Urne gewiss zu klein. Man könnte diese als Modell für eine größere freilich sehen, in der Gefallene, die „den Heldentod“ in Kriegen, wann und wo auch immer fanden, neben Menschen, die eines natürlichen Todes starben, sich befinden.
Um Jenny Feldmanns Arbeit in einen Kunstkontext zu stellen, fällt mir spontan die Spurensicherung eines Christian Boltanski ein, der man sich ebenso nur schwer entziehen kann. Wie dieser berühmte französische Künstler verstört Feldmann, entzieht einem gleichsam den Boden unter den Füßen. Das „Massenurnenprojekt“ hat etwas Beängstigendes, einen auf die Endlichkeit seiner eigenen Existenz Zurückwerfendes an sich.
In Verehrung für Jenny Feldmann
von Gerhard Jaschke
Wien, 10. 7. 2019